Vortrag OV-Sitzung

Klimamanager

Veröffentlicht am | 24.11.2020

Der Klimamanager von Rudersberg zu Gast bei unserer OV-Sitzung.

Klimamanager

Rudolf Scharer

Nils Jacobsen

Am 14.10.2020 hat Rudolf Scharer der Klimamanager der Gemeinde Rudersberg bei unserer OV-Sitzung referiert. Er sprach über seine Funktionen und über interessante Projekte die im Zuge seiner Arbeit umgesetzt wurden.

Was ist ein Klimamanager?

Rudolf Scharer ist seit dem 01.01.2020 Klimamanager in der Gemeinde Rudersberg. Klimaschutz ist eine langfristige kommunale Querschnittsaufgabe. Die Funktion eines Klimamanagers liegt darin, vorhandene Möglichkeiten des Klimaschutzes zu bündeln und zielgerichtet einzusetzen.

Nachfolgend sind beispielhafte Projekte aus der Gemeinde Rudersberg gelistet.

Eine langfristige und kommunale Querschnittsaufgabe.

Auszug aus der OV-Sitzung vom 14.10.2020
Referent Rudolf Scharer, Stabsstelle Klimamanagement Rudersberg
Förderung PV Anlagen

Als einen Baustein der Klimaschutzaktivitäten der Gemeinde wurde am 31.03.2020 die Richtlinie zur Förderung von Photovoltaikanlagen vom Gemeinderat zu verabschiedet. Diese kann sowohl auf Neu-, soll aber ganz bewusst auch auf Bestandsimmobilien angewandt werden. Der Verwendungszweck des Gebäudes spielt dabei keine Rolle. Im Vordergrund der Überlegungen des Gemeinderats stand und steht der quantitative Ausbau erneuerbarer Energie. In gleichem Zug soll mit einer Anschubfinanzierung auch der Einbau von lokalen Stromspeichern initiiert werden, um den Eigenverbrauch ohne den Umweg über das Stromnetz anzuregen. Für das Jahr 2020 standen 25.000 €, für 2021 stehen 30.000 € als Fördermittel zur Verfügung. Der Gemeinderat beschließt die Höhe der Fördermittel jährlich neu im Rahmen der Haushaltsplanberatungen.

Im Vordergrund der Überlegungen des Gemeinderats stand und steht der quantitative Ausbau erneuerbarer Energie.

European Energy Award

„Hier was, da was, dort was“, viel guter Wille im Klimaschutz, verteilt auf viele Stellen und Personen in der Gemeindeverwaltung und manchmal leider auch doppelte Arbeit. Dazu die Fragen, was haben wir, was wollen wir und wie kommen wir dahin? Die Antwort darauf ist der European Energy Award (EEA) https://www.european-energy-award.de, ein Umweltmanagementsystem, welches sehr pragmatisch und praxisorientiert eingesetzt werden kann. Ein Energieteam, üblicherweise bestehend aus Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung aus unterschiedlichen Bereichen, einem externen Berater und falls vorhanden, dem Klimamanager nützen dieses Instrument um das Thema Klimaschutz in der Gemeinde(verwaltung) transparent und nachvollziehbar zu machen. Über ein standardisiertes Internettool werden aus unterschiedlichen Bereichen Informationen zusammengetragen und bewertet.

Mit dem Ergebnis ist schnell feststellbar, in welchen Bereichen eine Kommune gut aufgestellt ist, bzw. wo welcher Handlungsbedarf besteht. Dieser wird dann im s.g. Energiepolitischen Arbeitsprogramm abgebildet, welches der Gemeinde- oder Stadtrat zur Umsetzung beschließt. Wird bei der Bewertung (durch internes und/oder externes Audit) festgestellt, dass mehr als 50 % der möglichen Punkte erreicht wurden, kann die Auszeichnung mit dem EEA in Silber, bei 75 % in Gold, beantragt werden. Eine Förderung für die Einführung des EEA erfolgt derzeit in Höhe von 10.000 €, welche nach der Zertifizierung über die L-Bank ausbezahlt wird. Zusätzlich bestehen die Möglichkeiten, erhöhte Fördersätze oder Zuschüsse bei verschiedenen Förderprogrammen in Anspruch zu nehmen. Sicher zu Anfang ein erhöhter Aufwand für die Grundlagenerarbeitung, die sich aber im Lauf der Zeit durch Struktur und Übersichtlichkeit beim Thema Klimaschutz schnell rechnet. Ganz nebenbei wurde in vielen Bereichen die Zusammenarbeit mit der Energieagentur des Rems-Murr-Kreises mit Sitz in Waiblingen deutlich intensiviert, sowohl hinsichtlich deren Beratungsleistung in der Gemeinde, als auch bei konkreten Projekten.

Was haben wir, was wollen wir und wie kommen wir dahin?

Lokaler Umgang mit dem Klimawandel

Der Klimawandel ist da, das ist wohl beim Thema Klima die einzig und nicht zu widerlegende Tatsache! Dürren, Hochwasser, heiße Sommer, alles Dinge die wir zwischenzeitlich hautnah erleben und nicht nur übers Fernsehen oder Internet vor Augen geführt bekommen. Die Frage ist allerdings, wie gehen wir damit um? Welche Möglichkeiten haben wir? Auf die „große Politik“ warten? Können wir vor Ort überhaupt was tun? Auf jeden Fall sollten wir uns mit dem Thema intensiv befassen. Der Gemeinderat in Rudersberg hat dazu den bekannten Wissenschaftlicher Prof. Dr. Glaser von der Uni in Freiburg eingeladen. In einem wissenschaftlich fundierten aber für den Laien durchweg nachvollziehbaren Vortrag hat er die globalen Entwicklungen in Teilschritten auf die Gemeinde heruntergezoomt und verdeutlicht, dass wir sowohl hinsichtlich der Ursachen als auch der Auswirkungen des Klimawandels genauso betroffen sind wie „die Welt da draußen“. Sich mit dem Thema konkret zu befassen ist damit der erste Schritt, etwas zu verändern.

Im zweiten Schritt hat die Gemeinde Frau Stefanie Lorenz (Büro KLIMA +, Müllheim, https://klima-plus.com) nach einem weiteren Vortrag im Gemeinderat über mögliche konkrete Schritt zur Klimaanpassung in der Gemeinde mit einer Einstiegs- und Vertiefungsberatung welche eine Klimaanalyse, die daraus resultierenden Handlungsbereiche und Umsetzungsmaßnahmen beinhaltet, beauftragt. Dieses Projekt wird über das Programm KLIMOPASS des Landes Baden-Württemberg gefördert.

Der Klimawandel ist da, das ist eine nicht zu widerlegende Tatsache!

Rudersberger Naturgarten

„Vielfalt contra Steinwüste“ könnte eine Überschrift für das seit zwei Jahren laufende Projekt „Rudersberger Naturgarten“, lauten. Vereine und Gewerbetreibende haben sich unter der Regie der Gemeindeverwaltung zusammengefunden, um den Steingärten, deren ökologische Unsinnigkeit zwischenzeitlich umfassend dargelegt ist, entgegen zu wirken. Die von allen Beteiligten gemeinsam entwickelte Broschüre (download unter https://www.rudersberg.de/de/leben-wohnen/umwelt/rudersberger-naturgarten) und weiterführende Tipps auf der Homepage der Gemeinde zeigen Ideen und Wege auf, wie solche Flächen ansprechend und trotzdem naturnah gestaltet werden können. Je mehr je besser, aber niemand muss deshalb seinen Garten „umkrempeln“. Schon kleine Teilflächen sind wichtige Mosaiksteine für eine, auf den ersten Blick zwar nicht erkennbare, aber für Kleinlebewesen und Insekten wichtige Biotopvernetzung. Hier kann mit geringem Einsatz viel erreicht werden. Für das Jahr 2021 wird ein Wettbewerb mit der Auszeichnung naturnaher Gartenflächen ausgeschrieben. Bereits nach kurzer Zeit hat das Projekt 2020 den CO2-Preis der SÜWAG als beispielhafte Aktion erhalten.

„Vielfalt contra Steinwüste“

Streuobstgemeinde Rudersberg

Die Gemeinde Rudersberg verfügt über große zusammenhängenden Streuobstgebiete, deren Schutz, insbesondere der Erhalt und die Weiterentwicklung dieser Biotopflächen den Verantwortlichen sehr wichtig ist. Nicht nur die kulturhistorische Bedeutung spielt dabei eine Rolle, sondern auch die Naherholung und der Tourismus. An erster Stelle steht die Wertigkeit dieser landschaftsprägenden Flächen. Auf vielfältige und unterschiedliche Art und Weise will die Gemeinde, mit Unterstützung vieler Ehrenamtlicher, diesem Anspruch gerecht werden. Zahlreiche Bausteine mit unterschiedlichen Ansätzen sind dafür geschaffen worden und werden kontinuierlich weiterentwickelt.

An erster Stelle steht die Wertigkeit dieser landschaftsprägenden Flächen.

Autor
Nils Jacobsen

Nils Jacobsen

Im Beirat des Ortsverbands Schorndorf | Elektrotechnik Ingenieur und Student, Interaction Design

Wie kann ich aktiv werden?

Bei uns kannst du auf verschiedene Art und Weise aktiv werden. Von einer Unterschriftensammlung bis zur Mitgliedschaft bei Bündnis 90/ Die Grünen. Oder schau doch einfach mal bei einer Sitzung vorbei. Wir diskutieren spannende Themen und freuen uns auf inspirierende Gespräche – es gibt viele Möglichkeiten, wie Du grüne Ideen unterstützen kannst.